KlimaRente
Mobilität: Fahrverhalten
Was mit dem Auto noch geht ...
Das größte Sparpotenzial liegt immer in der Strecke, die man gar nicht erst zurücklegt. Vieles, für das man früher fahren musste, kann man heute per Post, Mail, Telefon, Videokonferenz oder Heimarbeitsplatz erledigen.
Im ersten Schritt haben wir unnötige Autostrecken eliminiert, entweder durch vernünftige Wahl des Verkehrsmittels oder kluge Entscheidung über die Strecken selber. In diesem zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit den Strecken, die dann noch mit dem Auto zurückgelegt werden und mit den Sparpotenzialen, die hierin schlummern.
15-20% weniger Sprit geht fast immer
„In einem Spritsparkurs kann jeder lernen, worauf es bei einem umweltschonenden, kraftstoffsparenden Fahrstil ankommt. Erfahrungen von Spritsparprofis zeigen, dass man mit einer ökonomischen Fahrweise 15-20% an Kraftstoff einsparen kann.“
Entsprechende Kurse kosten zwischen etwa 35 € und 75 € und werden bspw. von der Deutschen Verkehrswacht abgehalten. Eine Investition, die sich schnell rechnet und danach Geldreserven für die Finanzierung unserer Altersvorsorge freisetzt.
Die wichtigsten Spritfresser:
- Kurzstrecken vermeiden. Beim Kaltstart ist der Spritverbrauch extrem hoch. (
Das Fahrrad ist hier oft überlegen) - Warmlaufen lassen bringt nichts außer Schadstoffbelastung und Belastung für den Motor. Am besten gleich zügig losfahren. Damit kommt der Motor am schnellsten auf die verbrauchsgünstige Betriebstemperatur.
- Vorausschauend fahren. Jeder Bremsvorgang führt dazu, dass die Masse des Autos erneut beschleunigt werden muss. Das kostet immer extra Energie. Je gleichmäßiger das Fahrzeug rollt, desto niedriger der Energieverbrauch. Außerdem kostet es - wenn überhaupt - fast keine Zeit.
- Gewicht kostet Sprit. Kaum einer braucht heute noch einen Sandsack als Ballast für die bessere Straßenlage im Kofferraum. Oder anders ausgedrückt: Überflüssigen Ballast immer schnell rausräumen
- Unnötige Aufbauten wie Dachträger erhöhen den Luftwiderstand. Also nur bei Bedarf montieren. Ein unbeladener Skiträger kostet etwa 15% mehr Benzin bei 130 Km/h Konstantfahrt.
- Klimaanlagen verursachen gut und gerne 5% mehr Spritverbrauch. Bei Stop-and-go an heißen Tagen in der Innenstadt kann bei Kühlung auf 18° (das ist ohnehin viel zu kalt) die Klimaanlage bis zu 50 % des Gesamtverbrauchs für die Strecke verursachen.
Sinnvoll einsetzen lohnt sich auch hier. - Stau vermeiden. Daran, dass viele Staus vorhergesagt werden, kann man sehen, dass stauen kein Gottesurteil ist. Natürlich kann es einen immer erwischen und Unfälle und Sperrungen sind nicht vorhersehbar; das alljährliche Chaos zum Ferienbeginn oder zu verlängerten Wochenenden ist weitgehend durch geschickte Reiseplanung vermeidbar. Ausweichrouten stehen uns in der Regel zur Verfügung.
Exkurs zur „Freude am Fahren“
Die Frage, was Alltagsfahrten in Alltagsautos zu Alltagszwecken und in Alltagsstaus mit Freude am Fahren zu tun haben, darf wohl gestellt werden. Motorsport hat auf dem öffentlichen Straßenland eigentlich nichts verloren und der Grenzleistungsbereich eines Autos ist keine Zone, für normale Fahrer und den motorisierten Individualverkehr.
Dabei gaukelt uns der Ausdruck Individualverkehr ohnehin etwas vor, was in der Realität gar nicht existiert. „Individuell“ bedeutet einzig(artig), originell, spezifisch und privat. Was offensichtlich nicht viel mit der Massenveranstaltung Straßenverkehr zu tun hat.
Tatsächlich kommt ein Großteil des Verkehrsirrsinns aus der Diskrepanz zwischen Gefühl und Realität: Das Auto vermittelt uns das Gefühl von Allmacht und Freiheit. Dieses Gefühl steht aber in krassem Gegensatz zur Realität. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der so strikt reglementiert ist, wie der Straßenverkehr. Eine aus verkehrspsychologischer Sicht einigermaßen hoffnungslose Situation, weil das Gefühl bei uns Menschen am Ende leider immer siegt; die Vernunft ist entwicklungsgeschichtlich viel zu jung um gegen das Gefühl eine Chance zu haben.
Dennoch mag es durchaus Spaß machen, ab und zu, bei schönem Wetter und wenn der Verkehr es zulässt, flott und lustvoll über die Landstraße zu gondeln. Wem es Spaß macht, der soll es tun, solange er andere nicht gefährdet. Spaß verderben hat noch nie gefruchtet. Sprit sparen hat nichts mit „schleichen“ zu tun. Flüssig fahren dient allen, ist schnell und ökonomisch. Richtig teuer ist nur hirnloses „heizen“.
So sieht es finanziell aus:
Unsere Musterfamilie hat zwei Autos die – wie im Durchschnitt der deutschen Autos – 13.400 Km im Jahr bewegt werden. Die Hälfte davon beruflich und die Hälfte in der Freizeit. Durch geschickte Streckenwahl hat die Familie bereits 2.680 Kilometer
komplett eingespart. Es bleiben also 24.120 Kilometer (2 x 13.400 – 2680 = 24.120) auf denen man spritsparend fahren kann.
Die Autos unserer Familie verbrauchen 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Laut VDA liegt 2005 der Durchschnitt der in Deutschland neu zu gelassenen Autos bei 6,8 Litern. Das darf allerdings
angezweifelt werden. Die Deutsche Umwelthilfe konstatiert einen Wert für den Flottenverbrauch von 7,4 l/100 Km. Da ist der Betrieb von Klimaanlage nicht berücksichtigt.
Unsere Familie tankt also im Jahr 1.785 Liter Benzin. Wir unterstellen, dass sie bisher auch schon vernünftig fährt und daher durch das Fahrtraining 15% einspart. Das entspricht etwa 268 Litern oder – bei einem Spritpreis von 1,50 € - 402 Euro.
CO2-Bilanz
Im Durchschnitt emittieren neu zugelassene Autos in Deutschland noch etwa 175 gr. CO2 pro gefahrenem Kilometer. (Bei einem Verbrauch von 7,4 l/100 Km wären es zwar eher 185 gr.; aber lassen wir das.)
Vor dem Fahrtraining betrug die CO2-Emission 4.200 Kg/Jahr. Die Verringerung des Verbrauchs um 15% reduziert diesen Wert um 633 Kg. Glückwunsch!
Fortsetzung im nächsten Newsletter:
In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit dem Heizen, und den Ressourcen, die man ohne Investitionen, allein durch Verhalten mobilisieren kann.


