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20.5.2012 > 9:06

KlimaRente

Versorgungswerke in Not

... und keiner scheint's zu merken

Die berufsständischen Versorgungswerke in Deutschland befinden sich strukturell in einer mindestens ebenso ernsten Schieflage wie die GRV. Die typische Meinung eines angestellten Mediziners:“Meine Rente ist sicher, weil für mich im Versorgungswerk Kapital gebildet wird.“ ist ebenso falsch wie weit verbreitet.

Dass die Leistungen aus den Versorgungswerken z. B. für Ärzte, Architekten, Anwälte, Steuerberater, Psychologen, etc., derzeit noch höher sind als die aus der GRV hat historische Gründe: Nach Gründung eines Versorgungswerkes gibt es zunächst – auch wegen der Zwangsmitgliedschaft – sehr viele Beitragszahler und nur wenige Leistungsempfänger. Üppige Leistungsversprechen sind die Folge und die Versorgungswerke haben Kapital angehäuft. Leider nicht genug.

Offenes Deckungsplanverfahren

Es gibt im Wesentlichen drei Wege, ein Sozialsystem zu finanzieren:

  1. Umlageverfahren. Einnahmen werden sofort für Leistungen verbraucht. Es gibt (so gut wie) keine Rücklagen. Beispiel: GRV, GKV, VBL. Es besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Beitragssumme, Beitragszahlungsdauer und Leistungen.
  2. Kapitaldeckungsverfahren. Einnahmen werden angelegt für die Finanzierung einer konkreten späteren Leistung. Es besteht eine unmittelbare und zwingende Abhängigkeit von Beiträgen, Anlageerfolg und Leistungen. Beispiel: Private Rente, PKV.
  3. Offenes Deckungsplanverfahren (ODP). Es besteht ebenfalls – wie bei der Umlage kein zwingender Zusammenhang zwischen Beiträgen und Leistungen. Es kann jedoch Kapital gebildet werden. Im Prinzip ist das Verfahren ähnlich dem Umlageverfahren, nur dass Reserven gebildet werden dürfen. Es ist jedoch keine Kapitaldeckung, wegen des Fehlens des Zusammenhanges zwischen Kapital und Leistung.

Die berufständischen Versorgungswerke in Deutschland werden nach dem offenen Deckungsplanverfahren finanziert. Als faktisch auf Umlage basierende Systeme sind sie zwingend auf Zuwachs junger Beitragszahler angewiesen. Und genau daran hapert es durchweg.

Die Reserven täuschen. Noch haben die Versorgungswerke mehr oder weniger Reserven, teils trotz Verlusten in der Kapitalanlage. Der Börsencrash hat Spuren hinterlassen, wahlweise die andauernde Niedrigzinsphase; wegen Spekulationsverlusten einerseits oder mangelnder Erträge andererseits.

Alle wichtigen Kennzahlen stehen auf Alarm:

  • Die Zahl der Leistungsempfänger steigt stärker als die der Beitragszahler, wenn letztere überhaupt wächst und nicht bereits stagniert oder sinkt.
  • Die Summe der zu zahlenden Leistungen steigt stärker als die Summe der Beiträge, wenn nicht die Beitragssumme bereits stagniert oder sinkt.
  • Das Durchschnittsalter der Beitragszahler nimmt zu. Das heißt, der Nachwuchs fehlt und es naht ein Rentnerberg.
  • Teilweise ist das Nachwuchsproblem konjunkturell bedingt besonders gravierend. Etwa bei den Architekten.
  • Die in der Regel für die Kalkulation des ODP unterstellten 4% Nettoverzinsung wird seit Jahren nicht erzielt, von Fehlspekulationen einmal ganz abgesehen.

Die derzeitigen Leistungen sind nur zum Preis von Kapitalverzehr zu halten. Mit anderen Worten: Sie sind zu hoch. Die heutigen Rentner leben auf Kosten der Jungen.

Die Renten sind sicher,

aber die Anwartschaften sind gefährdet. Alle Versorgungswerke versprechen nicht die Höhe der Leistungen, sondern stets nur deren Art. Die Höhe der Leistungen ist durch die Satzungen festgelegt. Die Satzungen sind jedoch änderbar, wie z. B. 2003 bei der Ärzteversorgung geschehen.

Laufende Leistungen sind schwer zu kürzen. Allein schon wegen der Entscheidungsmacht der über 55-jährigen, die ja bald in den Genuss der Leistungen kommen wollen, die sie jetzt eigentlich kürzen müssten.
Die Kassenlage wird schmerzliche Eingriffe erzwingen und die werden überwiegend die jungen und rentenfernen Beitragszahler treffen. Mit unscheinbaren aber folgenreichen Satzungsänderungen, lapidaren Mitteilungen und natürlich dem Bestandsschutz der rentennahen, älteren, über 55-jährigen Mitglieder.

Bedenke also wohl, wen du in den Beirat wählst!

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8 Kommentare
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