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20.5.2012 > 9:00

KlimaAnlage

Kriterienansatz

Hopp oder Topp

Die Strategie eines Fonds kann auch durch Kriterien festgelegt sein. Dann ist mehr oder weniger klar,  in welche Unternehmen investiert werden darf: Die Firmen müssen die Kriterien erfüllen. Kriterien können positiv oder negativ formuliert sein. Oder die Strategie fußt auf beidem: Einschluss- und Ausschlussregeln.

Vorzeichen und Hintertür

Positiv-Kriterien werden oft in Forderungslisten gekleidet: Firmen müssen bestimmte Bedingungen, Forderungen erfüllen, um in die Auswahl der Investitionskandidaten aufgenommen zu werden. Beispielsweise kann das Einhalten sozialer Mindeststandards gefordert sein, oder bestimmte Emissionsgrenzwerte müssen unterschritten werden. Das hört sich sinnvoll an.

Im Gegenzug kann es Ausschlusskriterien geben: Die Firma darf z.B. keine Rüstungsgüter herstellen, keine Kinderarbeit dulden oder in Kernkraft engagiert sein. Auch das hört sich sinnvoll an.

Positiv- oder Negativkriterien allein lassen aber wieder praktisch alle Hintertüren offen: Ein Unternehmen kann auf vorbildliche Weise Biodiesel aus Zuckerrohr herstellen. Positiv-Kriterium erfüllt. Gleichzeitig aber durch Monokulturen Regenwald und die sozialen Strukturen der Bevölkerung zerstören.

Mit dem anderen Vorzeichen kann eine Firma, die auf Kinderarbeit offensiv verzichtet (Negativ-Kriterium erfüllt), die größte Dreckschleuder südlich des Nordpols sein.

Wir brauchen beides

Erst die Kombination führt zum Ziel. Nachhaltigkeit beinhaltet immer die beiden Gegensätze. Sie finden sich schon in der gemeinhin als erste Bestimmung  für Nachhaltigkeit angesehenen Definition von Georg Ludwig Hartig. Danach soll der Wald so gut wie möglich genutzt werden (Positiv-Kriterium), jedoch nur in so weit er sich regenerieren kann (Negativ-Kriterium), also die folgenden Generationen genauso gut davonleben und wirtschaften können, wie wir heute.

Kein Vorteil ohne Pferdefuß

Der Vorteil der Klarheit für den Investor ist ein Hemmschuh für das Fondsmanagement. Vorausgesetzt natürlich, die Kriterien sind bindend. Die Auswahl wird kleiner. Unter Umständen muss man sich von erfolgreichen Positionen trennen, weil gegen Vorgaben verstoßen wird. Die Kontrolle ist tendenziell eher gewährleistet.

In wie weit der Ansatz für die Rendite relevant ist, wird schwer zu entscheiden sein. Restriktionen und damit geringere Handlungsspielräume können nachteilig sein, müssen es aber nicht. Die striktere Auswahl kann auch bedeuten, dass langfristig besonders erfolgreiche Unternehmen in die Auswahl kommen.

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