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20.5.2012 > 8:58

KlimaAnlage

Der Best-in-Class-Ansatz bei SR-Investments

Oder: Welches Schweinderl hätten's denn gern?

Jeder Fonds muss, will er nicht völlig beliebig sein, eine Strategie haben und bestimmte Regeln, nachdem er seine Investmententscheidungen trifft. Ein verbreiteter Ansatz diese Auswahl zu treffen ist der Best-in-Class-Ansatz

Hierbei werden bestimmte Klassen, z.B. eine Branchen, Länder, oder Themengliederung festgelegt und dann in die jeweils besten Unternehmen einer jeden Klasse investiert. Neben den Klassen bedarf es zwingend Kriterien, hinsichtlich derer die Unternehmen die "besten" sein sollen. Der Umsatzbeste ist vielleicht nicht der mit dem höchsten Gewinn oder der sozialsten Einstellung.

Ein Beispiel

Nehmen wir einen fiktiven nachhaltigen Investmentfonds und nennen wir ihn NEÖ. Der Fonds schreibt sich auf die Fahne, nur in nachhaltig wirtschaftende und ethisch sich korrekt verhaltende Unternehmen zu investieren, also eine rundum ökologisch sinnvolle Sache zu sein. Natürlich sollen auch schöne Gewinne erzielt werden. Schließlich sind nachhaltige Investments in den letzten Jahren besser "gelaufen" als der Gesamtmarkt. Der Fonds verfolgt strikt, glaubhaft und nachprüfbar den Ansatz Best-in-Class.

Das Management entschließt sich zu einem Teil Versorger ins Portfolio aufzunehmen. Das ist ein gern genutzter Sicherheitsanker weil es sich um azykische Werte handelt, die, wie jeder Verbraucher mitunter leidvoll erfährt, ziemlich unabhängig von der Konjunktur ihr Geld verdienen.

Jetzt sind die großen Versorger alle mehr oder weniger stark in Kernkraft investiert. Zudem ist, wenn das nicht der Fall ist, deren zentrales Geschäft die Verstromung von fossilen Brennstoffen mit der bekannten Problematik.

Kein Problem mit dem Best-in-Class-Ansatz: Der Fonds darf nun in den größten Kernkraftbetreiber investieren, wenn dieser zum Beispiel auch ein kleines Kohlekraftwerk gebaut hat, mit der vorbildlichsten Filtertechnologie landauf, landab.

Zugegeben: Das Beispiel ist konstruiert. Im Rollenspiel leicht aber beliebig erweiter- und umformbar.

Autoquartet, oder von den Schweinen die netteste Sau.

Wer hat nicht als Kind Autoquartet gespielt und sich nicht geärgert, wenn er den Ferrari abgeben musste, weil ihn der andere mit der höheren Nutzlast eines Opel-Blitz ausgestochen hat. Wer kennt einen Metzger, der noch keinen Preis für 1 a Kölner Leberwurst errungen hätte?

Da jeder in irgendeiner Hinsicht der oder die beste ist, kann man mit genügend vielen Kriterien wieder alles machen: Das Unternehmen, welches in der Dritten Welt Raubbau bei der Waffenproduktion mit Kinderarbeit betreibt, kann in einen Nachhaltigkeitsfonds aufgenommen werden, wenn es z.B. in Deutschland einen Betriebskindergarten eröffnet, betrieblichen Mitbestimmung pflegt und den Müll trennt.

Muss nicht, kann aber beliebig sein

Natürlich haben wir hier überzeichnet. Das Problem ist aber systemimmanent: Aufgeklärte Investoren wollen wissen, wie ihr Kapital investiert wird. Das Fondsmanagement mag das auf durchaus ehrenwerte und erfolgreiche Weise tun. Der Best-in-Class-Ansatz ist aber letztlich viel zu beliebig, um dafür hinreichende Stringenz zu sorgen.

 

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